Ebene 2
  Gedankenwürfel Ebene 2
Texte von Franz Glas

Sie finden hier meine Gedankentexte auf zwei Ebenen eines wachsenden Würfels. Jede Ebene bietet ein 8 x 8 Felder großes Brett, dessen Sinn nicht unbedingt die Orientierung, sondern der Lesespaß ist..
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Franz Glas schreibt auch auf   Twitter  .

Ich wünsche Ihnen viel Lesefreude !

Franz Glas
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    Erichs Panama


    bei meiner letzten Wortreise
    kam ich unvermittelt nach Hause
    fand die Beseelung der Dinge
    mich als Werkzeug meiner Tage

    und Tischler zugleich
    und Holz

    Franz Glas

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    unendendes Kreisvorwärts

    unsere Geschichte
    hat ganz vergessen
    aufzuhören

    der Weg hält sich die Augen zu
    blindet lieber alle Richtungen
    hochstapelt sich selbst
    als wär er schon ein Ziel

    wir trudeln, irren, kurven
    um ein Ja-nicht-Ankommen
    hin und her

    die Wegweiser
    knoten Brezel
    in unsere Beine

    ich salbe meine Gelenke
    mit Deiner Schlaflosigkeit
    nie müde werdend
    immer noch weiter
    immer noch
    im Kreis


    Franz Glas

.
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    der Plural

    ich huldige dem Plural
    zugleich dem simplen ich

    ich löse mich vom Einfach
    splitte, parallele, teile,
    mich zu puzzeln

    die Newtonsche Wiege
    spreizt ihre Kugeln
    hält den Atem an

    die Jas neinen das oder
    und kniewunde Und
    verlachen die Einbahn

    Nebeneinander
    fünf ich, drei du
    vier er, zwei sie

    nebeneinander
    Milch und Bart

    nebeneinander
    alle ich

    Franz Glas
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    Die Herbstfrau

    der Herbst kam ihr überraschend,
    er liegt ihr noch zu Füßen
    bedeckt ihre Wurzeln
    ohne sie neu zu nähren
    sie hat ihr Lachen fallen lassen


    ein Nebel schleiert ihre Augen
    verfrüht: eine Novemberahnung
    kratzt sie ihren Namen frei
    von Moos und Algen
    sie hat ihr Lachen fallen lassen

    Woher nehme ich nur die Frechheit
    den Sommer in ihr zu sehen
    die gelben Linien halte ich für Licht
    die herbstlichen Haare halte ich für grün
    ihr Lachen für lebendig


    Franz Glas
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    aller Tage Worte sind endlich
    das Wort reicht nicht,
    um Wort zu sagen, was ich meine

    Stirngeburten, Hirngespinste
    Tische für Stühle
    haben kurze Beine

    ihre Sätze fingern im Schlamm
    schlacksen im erdigen Urchaos
    das Geformte zerrinnt nass
    das Gemalte schlickt wieder in sich

    aber zwei Luftblasen
    und ein krummes Stöckchen
    hinterlassen wortlos
    ein kleines Grinsen

    Franz Glas
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    Wunschgedanken

    kein Frühlingsvogel
    ohne Sommer
    sein zu wollen

    schon Grund genug

    doch möbiante Fragen
    drängeln weit mehr
    als rausgefallene Augen
    in anderer Hände starre Finger

    verharre also
    an diesen,
    pfeife im Winter
    auf die Tränke

    Franz Glas
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    die Apfeltage
    schweinen nicht mehr
    heute wasche ich ihn,
    schneide ihn in Stücke,
    sortiere den Grotzen aus und
    suche mir ein Tellerchen
    nebst Küchenrolle

    geschubladete Lust
    geordnet und oft
    nicht rausgezogen

    Franz Glas
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    Television, Eigenermahnung

    es bündelt das Augenlicht
    erstarrter Blick fesselt es
    und taubt das Denken zu einem Immermit

    ein Immermit im Sehen,
    ein Immermit im Hören,
    ein Immermit

    weckergleiche Werbung
    zerrupft das Immermit
    ein Zappen -
    und wieder neu:
    ein Immermit

    kein Eigenweg
    Franz Glas
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    immer noch nicht

    den Tod vergessen
    Leben aus dem Faden

    Brot aus Stein
    genügend Brückenkörner

    Tasten entsaftet
    Plastik gebrannt

    umfassende Händekette
    Knoten auf, Neues gelöst

    immer noch
    und bleibend
    grenzt dem Menschen

    bleibt immer noch
    auszuhalten

    Franz Glas
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    Trauerweide ich

    lasse Worte zu Boden hängen
    verbiege mich für Früchte
    übergreife, strecke, dehne
    rindiger Schweiß
    aste zu Boden

    bis es
    bricht

    fällt eh nicht mehr
    kratzt kaum eine Furche noch
    aus der dann später
    doch noch
    ein Blatt

    Franz Glas
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    ich werde daran denken,
    wie das Du meine Tage einklammerst,
    am Anfang und am Ende
    gerade dort

    wie sie Schutz finden können
    wie sie in die Hand genommen werden
    um am Ende bei der sich öffnenden Hand

    werden sie losgelassen ein ganzer Tag zu werden,
    denn ohne Dich werden sie keine
    und so warte ich
    auf Dein Loslassen

    Franz Glas

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    die geschenkte Stunde

    die Oktoberzeit
    hält ein give away
    der Nachtfrau breit

    eine Stunde Mehr vom Voll
    Gratiszugabe vom Guten
    Geschenk der Tiefe

    ein Stillprint des Flussbildes
    die Zeit dehnt sich über die Stunde hinaus
    spannt das Jetzt über das Morgen
    und Übermorgen
    und hakt es im Irgendwann ein

    alles umspannt
    die geschenkte Stunde
    aus Deiner Zeit

    Franz Glas
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    wenn sie geht
    die Ahnung eines Grüns,
    einer Hand zurücklassend

    wenn sie geht
    den sicheren Weg entlang
    und das sichere Haus leert

    wenn sie geht
    das Kino dunkelt
    den Netzfaden aufwickelt

    wenn sie geht
    noch ein Lächeln zurückwirft
    über die kalte Schulter

    dann kann ich
    nicht anders und
    lächele doch noch zurück

    die Hand hebend
    wie zu Beginn

    .Franz Glas
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    Die Nachtfrau I

    über Tag sammelte sie Flusssteine
    rühmte augenschließend ihren Duft
    häufte Luft in ihren Lungen an
    und schwärmte von ihrem Klang
    raffte die Farbe der Erde zusammen
    und lauschte gelassen ihrem hellen Gesang
    kostete vorsichtig die Schärfe des Feuers
    und erntete so manch bunte Berührung
    füllte schmunzelnd ihr Speicher

    um
    des Nachts
    aus dem Vollen zu schöpfen:
    ihr Handgrün strömt und ergießt sich
    über Dich um Dich durch Dich bis
    Du selbst ganz und gar fließt und
    sachte mitreist als Teil des Flusses
    in ihre stillende Nacht

    Franz Glas
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    Die Nachtfrau II

    längst hat sie ihr feinknotiges Netz
    weit über meinen Alltag geworfen
    fischt mein Hierjetzt aus dem Trüben

    setzt ruhige Segel zum stürmischen Wind
    lehrt mich ein grünblumiges Leben in der Nacht
    schmunzelt, verzaubert mein Zaudern in Mut

    so treffen wir uns im nächtlichen Irgendwann
    im ausbleichenden Schatten des vorigen Tages
    Sie wandelt das Dunkel zur Quelle des Sehnens

    rettet den Priester vor Mitternachtswölfen
    hält ihm den Rücken und lässt ihn vorlaufen
    knüpft ihm Brücken auf der Suche nach Flüssen

    nennst Dich
    gnadenlos
    und bist
    mein großes Los der Gnade

    Franz Glas
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    Drachenlenker

    die Seile, die gestern noch
    das Außen um meine Seele spann
    nutze ich frech zum Drachenspiel

    die Seile, die gestern noch
    alles Flache um mein Fühlen fesselte
    gebrauche ich heute, Segel zu setzen

    die Seile, die gestern noch
    mein Wegdenken ans Flussufer zurrten
    verwende ich heute als Drachenschnur

    vertraue dem Wind
    lasse mich steigen über uns
    blicke freisiegend hinab auf die Polter
    lasse mal Schnur, stell mich mal hart in den Wind

    die Hände schmerzen dem Wind ein Grün ab
    und die Schulter tobt
    ein rotbackiges Lächeln
    unter die kneifenden Augen

    Lenkender plötzlich
    Windspieler gleich

    Franz Glas
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    Steinaugen

    sie geben ihren Steinen Augen
    Ohren ihren roten Türen

    nur die Flüsse
    so bin ich mir sicher
    waschen immer wieder
    Linsen vom Ufer

    und betäuben rauschend
    jeden Lauschversuch

    schon deshalb
    lass ich seine Hände
    meine Wünsche tragen

    wenn er sie
    nur nicht
    so weit
    fort

    Franz Glas
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    Graubesieger

    gestern um 11
    knackte wieder eines Deiner Worte
    meinen Alltag und legte Früchte frei

    um halb 12
    färbte ihr ausbrechender Saft
    bereits meine Worte und alle Farben neu

    gegen Mitternacht
    fing ich letzte Tropfen auf der Unterlippe
    und strich mir satt den bunten Bauch

    Franz Glas
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    kopfanschulter

    unsere Finger falten
    im späten Dunkel
    schmunzelnde Schiffchen

    in Leonards Fluss
    setzen wir sie aus
    und schauen stumm
    kopfanschulter
    nach

    Franz Glas
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    unendendes Kreisvorwärts

    unsere Geschichte hat
    ganz vergessen
    aufzuhören

    der Weg hält sich die Augen zu
    blindet lieber alle Richtungen
    hochstapelt sich selbst
    als wär er schon ein Ziel

    wir trudeln, irren, kurven
    um ein Ja-nicht-Ankommen
    hin und her

    die Wegweiser
    knoten Brezel
    in unsere Beine

    ich salbe meine Gelenke
    mit Deiner Schlaflosigkeit
    nie müde werdend
    immer noch weiter
    immer noch
    im Kreis

    Franz Glas
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    Schlaf

    ich halte ihn, käfige ihn
    wie Hasen im Stall
    wie Laufenten auf stummer Jagd
    nach fressenden Schnecken

    halte ihn kurz, bändige ihn
    lasse ihm kaum sinkende Leine
    pferche ihn in vier Stunden Nacht
    trinke und wecke ihm einen Zaun

    halte ihn hungrig
    mit abendlichen Leckerlis
    zu schwach zum Übermannen
    ausreichend stark für fließende Träume

    spiele mit ihm, necke
    reize und errege reißende Flut
    die zurücklässt ein Chaos
    und fruchtbare Ufer


    Franz Glas
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    zuhause

    kopfschüttele immerfort
    dass mich immernoch
    das Wort anheim

    raum- und heimschenkend
    immerwieder

    doch immerwährend
    bleibt es bei sich
    hastürschließend
    nur bei sich

    statt sich
    aufzubäumen
    zum Leben

    nur einmal

    Franz Glas
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    klare gerade Menschen

    wenn sie heut nicht aufpasst
    tanzt sie sich noch
    die hängende Schulter
    zu einem stolzen Rückgrat

    ich muss sie
    unbedingt
    weiter ablenken

    Franz Glas
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    zwischen
    all den Jas und Klars
    entlang
    den Gernes und Okays

    fülltest Du dem Flachen
    einen schicken Setzkasten

    dachtest manches Gefühl
    ordnend an Flurhaken

    heute fragte ich
    nach Deinem Nein

    verzeih mir
    das hinterlassene
    Chaos

    Franz Glas
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    des Nachts
    bei klarem Himmel
    angelte sich die Traumfängerin
    meine Lachsträume
    aus dem Netz

    geborgen
    wurden sie
    auf ihrem Flussweg
    zur Quelle
    hinauf

    nun
    weiß ich sie
    sicher & heimisch verwahrt
    geduldig wartend
    auf ihr
    weiter

    Franz Glas
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    kopfgestellt

    Es ist der Höhenflug -
    unser Fliegen, das uns
    auf dem Boden bleiben lässt

    es ist die Nebenstraße -
    unser Parallelweg, der uns
    die Spur halten lässt

    es ist der Wegeschmuck -
    unsere Ablenkung, die uns
    die Mitte finden lässt

    das Wegdenken
    sorgt fürs Hierbleiben

    ein wir
    wäscht das andere

    Franz Glas
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    zuweilen
    fallen mich die Worte
    wieder rückhirns an

    klatschen in den Nacken
    unausweichlich rückennass

    dringen durch die Haut
    semipermeabel für das Wort
    sie bleiben gefangen
    und gären

    bis sie sich luftschaffen
    sich ergießen wortknallend
    aufschäumendes Grafit
    Weißbeflecker

    Franz Glas
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    das lange Du

    Die Nacht fegt schon den Tag aus
    da singen unsere Finger leise Zeilen
    summen Netze über schrumpfende Stunden
    aus den Tasten ranken grüne Lieder

    schneckenhausgleich
    hast Du mich beschenkt
    ein Daheim stets bei mir
    Du immerfort

    ein nachtrettender Duft begleitet mein Atmen
    ein Gedankentattoo gestochen in meine Sätze
    ein stetsimmerfortwährendbleibendes Du

    schneckenhausgleich
    hast Du mich beschenkt
    ein Daheim stets bei mir
    Du immerfort

    Franz Glas
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    einfach

    ich bevorzugte
    stets das Dunkel zum Sehen

    da war keine Ablenkung
    kein Grell, kein Detail
    nur Sehnen nach Hell

    nun kommst Du
    behauptest einfach
    seist Zeit und Lich

    nimmst mich an der Hand
    und ich
    ich höre auch noch

    Franz Glas
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    Annas Tiere

    um meine Beine wimmeln
    von Dir gerufen
    wie junge Tiere noch
    neue lebensmute Worte

    ich taste vorsichtige Schritte
    durch die hindurch
    dass ich keine verletze

    verspreche Dir Pflege
    nähre sie zu wachsen
    sie werden einmal wachen
    über Dich

    Franz Glas
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    Der InsichGefangene
    lugte verstohlen
    hinter Flachem hervor

    Du versperrst die Dunkelflucht
    stehst mir im Schatten
    streust Licht in mein Dahinter

    ich kneife die Gedanken zusammen
    halte wieder Ausschau nach raus
    schicke meine Augen wieder aus

    dass zuvor mein Blick stets nur bauchab
    und kleben blieb an mir
    lässt nun Dein Horizont vergessen

    spüre noch Deine Finger
    unterm Kinn

    Franz Glas
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    An die Nachschreibenden

    Ha,
    wer wird es entdecken
    das Längst Gedachte
    im eben Geborenen

    die Staffelworte laufen
    Möbiusbänder rund

    bildet Euch nicht ein
    das Worten einer neuen Welt allein
    brächte Neues hervor

    das Alt spielt verstecken im Neu
    wer schlägt ab?

    Franz Glas
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    nebst Wasser

    das Brot auf dem Tisch
    durch die Schüssel

    auch der Tisch
    ihm keinen Stand

    durch die Platte
    daneben das Obst
    kullert am Abgrund
    gerissen vom Brot

    unter der Decke
    stirnt eine Falte
    gezogen vom Sog
    tiefenden Brotes

    bei weitem
    zu schwer

    Franz Glas
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    kein Seil mehr hoch genug gespannt

    das Neon frisst das Blau mit hungrigem Magen
    aus den Zeltwänden, Fäden genüsslich kauend

    die Bälle kommen unters Rad
    die Fackel schwirrt ungefangen umher

    dieser Tage tragen sie Altes zu Grabe
    das Zelt außer Atem
    wirft tiefe Bodenfalten

    kein Seil mehr hoch genug gespannt

    Franz Glas
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    wie möglich

    wie nah?
    zumindest, bis ich Dich hören könnte, auch wenn Du nicht sprichst
    zumindest, dass ich Dich spüren könnte, auch wenn Du Dich nicht bewegst
    zumindest, bis ich Deine Wärme spüre, auch wenn ich Dich nicht berühre
    zumindest, dass ich Dich sehe, auch wenn ich die Augen geschlossen halte
    so nah.

    Franz Glas
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    ich rauche weiter
    was zwischen Deinen Lippen Glut fand

    trinke weiter,
    wo Deine Lippen Durst löschten

    denke nochmal
    was Deine Zeilen worteten

    schütze,
    was Du zu wachen begonnen hast

    ich folge
    Deinen Brotkrumen

    heimzukommen

    Franz Glas
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    nah

    dieser Tage
    und Nächte

    scheinen mir die Dinge
    unter einer Decke zu stecken

    öffnen sich Türen
    Regenflüsse loszulassen

    halten mich grüne Bänder
    im blaudunklen Raum

    nah bin ich ihr
    plötzlich
    langsam geworden

    nah
    dieser Welt

    Franz Glas
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    Flusssteine

    genüsslich
    binde ich
    eine grüne Schleife
    um Dein Tagesgrau

    beseele im Vorbeigehen
    mit meinem Sein
    einen Flussstein

    lege ihn vertrauensvoll
    in ein Handgespräch
    und schmunzele Dir ein
    "lass ihn springen"
    zu

    Franz Glas
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    Dreiklang

    handgezupfte Klänge
    hallen unerhört durch die Nächte
    schallen handwarm durch die Kälte
    wallen immernah zart umher

    verlangen trösten danken
    ein Eingeisten zeitlos, ortlos
    Lippenbekenntnisse flüstern
    drei Birken in meinen Schritt

    das Gehen fällt leichter
    und die Knie bluten
    immerfort

    Franz Glas
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    Grün, das neue Blau

    je dichter
    Ihr Eure Termine um mich wattet
    desto lauter werden die Flussrufe

    je greller
    Euer Hinterleuchten ein Hell erzwingt
    desto dicker wer ich das Dunkel bauen

    je zuner
    Ihr Euren Weg und Richtig denkt
    desto bunter werden Kopfabenteuer

    so mal ich
    beharrlich und geduldig
    alles Blau
    in meinem Grün

    Franz Glas
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    unter Deiner Hand

    dass mir einmal
    an der Grenze zum Schlaf
    das Hinüberqueren so schwer fiele

    dass mir einmal
    an der Grenze zum Schlaf
    ein suchloses Finden passierte

    dass mir einmal
    an der Grenze zum Schlaf
    das Stummsein von der Angst fiele

    konnte ich vorher nicht erahnen
    vor meinem Kopf unter Deiner Hand

    Franz Glas
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    Schneestille

    die Schneestille mantelt uns
    mit ihrer Eierkartondecke
    sachte über alles Laut gelegt

    unser eingehaktes Sohlenknirschen
    stützt unser Schweigen, paart die Spuren
    hinter uns lassend

    verblüffend, wie weit
    spurlos gefunden
    wie offenweiß

    das irgendwann
    vor uns

    Franz Glas
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    meine Nerven springen im Dreieck/
    und kreisen um Dein Tanzen

    eine Berührung hinterließ grad

    eine Achse im Leben
    Allerorten und Allerzeiten teilend
    in
    mit Dir | ohne Dich

    Franz Glas
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    unvermittelt
    blieb mir gestern
    ein Wort zwischen den Zähnen hängen

    nervig, die Zunge fühlt es ständig
    und kann es nicht lösen
    hab da was!

    unvermittelt
    stocherst Du offenen Ohres
    woran ich solang zu kauen hatte

    erlöst, nachdem ich befreit wurde
    seidene Gespräche gesunden
    meine Welt

    Franz Glas
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    bis irgendwann

    dann und wann
    schenken wir dem Regen eine Decke
    legen seinen Traum in trockene Tücher
    geben seinen Farben ein Sichres Heim

    dann und wann
    dankt er uns, spinnt auf einem Bogen
    nahe Lieder zwischen uns wie Fäden
    grüne Fäden eines Netzes, dicht gewoben

    dann und wann
    lass ich mich fallen
    ins frisch gefärbte Netz
    nirgends sonst werd ich ihn finden
    einen solch bewachten Schlaf

    Franz Glas
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    volle Fahrt

    mein Blick wurde letztens geentert
    Dein Lachen meinen Gedanken ein Haken
    das Vielleicht setzte Segel
    Handgespräche hart am Wind

    Schlüsselbeine netzen eine Halse in meinen Tag
    kein Vorwärts mehr ohne ihre Augen vor meinem
    Dein Hals raht alles Sehnen, stiehlt jegliches Reffen
    die Fender über Bord, hafenlos, uferfern

    das Ende der Welt recht voraus,
    mitreißender Wasserfall
    wir mittendrin
    ich trocken
    an Land
    Ratte

    Franz Glas
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    windstill, kopfunter

    der Fluss schwenkt
    sein einst reißendes Wasser
    müßig kreisend in leerer Hand

    den Blick nach unten
    ein Drachen am Boden
    stiert das freie Ende seiner Schnur

    ein Kompass läuft Kreise
    der Nordpol spielt Nachlauf
    die Feigen werfen Anker
    und trocknen dabei
    verlieren ihr Leben

    Franz Glas
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    Die Sehnsucht legt einen Knoten um mein Vorwärts
    die Grenze zwischen den Welten schlingert
    und ich wende mich gegen mich
    wegen Begradigungsgedanken

    wende mich gegen mich, werde zwei
    der eine rennt schnurspannend schnell
    der andere sticht Löcher ins Leinen
    unser Drachen hat Durchzug

    wende mich gegen mich, werde zwei
    der eine sucht Handgespräche
    der andere übt der Hände Fleiß
    unsere Hände tragen Hornhaut

    wende mich gegen mich, werde zwei
    der eine schmunzelt sich ein Glück
    der andere diplomatiert einen Frieden
    unser Glück schläft friedlich ein

    Franz Glas
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    Als Deine Finger forschend von meinem Schulterblatt stiegen

    ein Tal suchend, um ein Kitzeln zu säen
    beherrschte ich mich,
    sog das Prickeln

    und Reizen
    und Kitzeln
    und Kribbeln ein ohne es auszulachen,

    ich hielt ihr Reifen aus, erntete eine wohlige Gänsehaut

    und einen Schauder, der die Hoffnung auf Mehr auf seinem Rücken trug.

    Franz Glas
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    Schlafsehnsucht

    von Zeit zu Zeit
    sucht der Schlaf mich heim
    schiebt mein Müde weit von sich, verweigert sich
    kommt zu mir, sich selbst zu suchen
    kommt zu mir, selbst zu ruhn

    von Zeit zu Zeit
    sucht der Schlaf
    bei mir sein Zuhaus

    legt sich in Genick und Schulter
    schwert mein Denken und tut nichts
    fordert Tage gähnen von mir
    eine kreiselfallende Wachsamkeit
    rotäugig bleib ich im Hierjetzt

    von Zeit zu Zeit
    zwingt mich der Schlaf
    in klebrig auszuhalten

    stiere ihn an
    mach Bilder von ihm
    sehne mich, es ihm gleich zu tun
    muss nackenschwer warten
    auf sein Handeln

    Franz Glas
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    nachtarm

    sie gehörten zusammen -
    die Sehnsucht vereinte sie.

    Stets bändelt sie die Suchenden
    die hinter Mauern, die hinter Gittern.

    sie bindet fernsüchtige Schuhe,
    schnürt stehenbleibende Stiefel.

    treibt Nimmersatte zusammen
    stellt mir fremde Verwandte vor

    Äpfel und Birnen wie Hund und Katz
    wangennah schlecken sie aus leerem Napf

    sie lässt sie wohnen im Nirgendwo
    sich treffen im Irgendwann

    gierig sind sie, solange sie wacht
    wenn sie sich schlafen legt
    verliert der Tag seine Nacht

    Franz Glas
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    Grat

    Bodenschlüssel begegnen Sternenklar
    schließen alles Hell hinters Licht
    öffnen Kriechtunnel zum Dunkel

    tresorter Handabgleich
    chiffrierte Denkzettel
    erbringen uns Geheimdienste

    unser Fluss
    auf Zehenspitzen
    auf einem schmalen Grat

    Franz Glas
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    Oregon Coast

    windgeborene Drachenworte flirren
    surren, flattern, kreisen nah überm Kopf
    zersausen die gesandeten Haare

    höre nur augenlos, folge nicht ihrem Rund
    meide ein Kreisdrehn mit meinem Geradeaus
    fürchte einen aufkommenden Windschwindel

    warte lauschend bis ihr Flattern
    falkengleich zum Flussbett
    eintaucht, liest und still birgt
    vom Ebbengrund ein Andersmehr


    Franz Glas
g7
.


    aufgestockt

    Mensch, Herbert
    2:04
    Schal getragen

    auf Vollzeit

    Franz Glas
g8
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    Staubschatten

    Die Staubmäuse alter Sorgen
    nagen an Deinem täglich Brot

    grauen einen Film über allem Licht
    geschattete Freude, Staubwirbel,
    die Dein Tanzen zähen

    was gäb ich
    könnt ich Dir Besen sein

    Franz Glas
h1
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    Hellblind

    wie Du
    unserem Haus
    Gelegenheit zum Atmen lässt

    wie Du
    unserem Fluss
    die Schiffe von den Schultern nimmst

    wie Du
    unserem Dunkel
    eine erklärende Kerze schenkst

    leuchtet mir ein
    blendet bis zum Augenschließen

    Franz Glas
h2
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    loslassen

    auf unser wir bezogen
    kennt sich die Zukunft nicht so aus
    starrt mich mit leeren Augen an
    offen stehender Mund, baff
    längst schon nicht mehr auf der Rechnung

    wie schäl so eine Zukunft
    glotzen kann, wie abgestanden,
    von Gestern dieses Morgen

    wieder und wieder
    macht sich dieses Wir
    von der Zukunftsleine los

    wohin es führt?
    es ist nicht mehr zu leinen
    es ist los
    frei
    dieses Wir

    Franz Glas
h3
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    die enge naht

    der Kopf dackelt im Nacken
    die Schultern wachsen über Naht

    schon am Morgen
    drückt der Tag eine Enge an den Hals
    knopfspringende Gürtelseufzer

    noch wundert mich
    dass die Hutschnur nicht
    dem Leben nachwächst

    und der Abend
    hängt wie Hochwasser
    von den Knie

    die freien Knöchel blecken
    nach einer zweiten Hose

    Franz Glas
h4
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    rauche und trinke
    werfe nlp-Anker
    in den lehmigen Fluss

    vom Suchen aufgwewirbelte Fragen
    legen einen feinen glatten Film
    auf jeden altgewohnten Handgriff

    am Abend
    kehre ich mehr schlecht als recht
    mit neuen Besen alte Scherben

    Franz Glas
h5
.


    ergeben

    ein provozierender Tropfen
    wundet deckenlos mein Knie
    schutzlos Deinem Optimismus

    kurze Codeerweiterungen längen
    Grenzgebiete neu ein
    der Anmut Deiner Arme

    auf allen Geraden links abbiegen
    in ein ImmerwiederGrün
    Deinem Jetztschmunzeln

    Dein Wort|Blick enthront Berge
    federt Morgenleeren
    Deinem kinogezauberten Einfach


    Franz Glas
h6
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    Wortkraut

    ich habs weißgott oft gejätet
    gezupft, entkernt, vergiftet
    hab in Augenhöhe gemäht
    quer durch den limbischen Garten

    ich habs weißgott oft dörren lassen
    Einbahntücher zwischen Regen und ihnen
    sie einzeln aus dem Wasser gezogen
    an strampelnden Wurzeln verdursten lassen

    ich habs weißgott so oft geposst
    wollts veredeln mit ihrem Zielen
    bin verzweifelt an seinem Verstocktsein
    für ihre klebrigen Kletten

    ich habs kommen gefühlt
    wie es sich durchwächst
    durch allen Zielteer
    Risse findet und weitet

    ich habs wachsen gedacht
    stieg mir zu Kopf
    und darüber hinaus
    durch Decken hindurch
    bis ins Immerhierjetzt


    Franz Glas
h7
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    so frei so kühn

    ich kannte einen
    vom Sehen und Denken
    nicht Hören und Sprechen

    ich fürchtete einen
    dass ich werde wie er
    allein sich balgend mit sich

    ich sah ihn zuweilen
    Kopfschütteln erregen
    sein Kaffee kühlte beim Schreiben

    ich sah glänzendes Leder
    wenn er abgewetzt aufstand
    spiegelten sich seine Gedanken

    ich schmeckte das Salz
    Welt entrückter Hände
    auf dem einsamen Tisch

    ich spuckte zuweilen
    sein Anderssein aus
    sein Ziellos verachtend

    heut rühr ich mim kleinen Finger
    buntfarbende Bläschen ins Ziellos
    schlecke das Salz einer anderen Welt


    Franz Glas
h8
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